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Auf ein Wort

Seht, der Mensch!

In diesen Tagen scheint ein Menschenleben wenig wert. Ach was heißt, in diesen Tagen. Ja, wir können unsägliche Videos sehen, in denen Menschen erniedrigt, gequält, bestialisch getötet werden – während andere Menschen das triumphierend filmen und posten und sich damit selbst gründlich vom Menschsein entfernen. Es ist schwer auszuhalten.

Aber es ist schon fast grausame Normalität, dass ein Menschen­leben wenig wert ist. Weil ein Diktator sich nicht einmal mehr Mühe gibt, die Bomben auf Wohn­gebäude zumindest fadenscheinig zu rechtfertigen. Weil täglich Menschen von Minen zerfetzt werden und als Opferzahlen wiederauferstehen. Weil Menschen im Netz mit lebenszersetzendem Hass überschüttet werden, als wären sie nichts weiter als Programmcode. Was ist ein Menschenleben wert?

Das Weihnachtsfest setzt dieser verzweifelten Frage eine klare Antwort entgegen: Alles und noch mehr! Weihnachten erzählt die völlig abgedrehte Geschichte, dass ein Gott die Welt retten wollte und dazu diese Welt in der dafür denkbar ungeeignetsten Gestalt betrat: der eines Menschen. Der Welten­schöpfer, der eigentlich nur als unendlich mächtig, weise, gutaussehend, reich und medienrelevant gedacht werden kann, wird ein schrumpeliges Kind, der Legende nach in einem Stall, in einer strohgefüllten Krippe geboren. Die Welt­öffentlichkeit ignoriert das vollständig. Die Handvoll Hirtenmen­schen, die zufällig in der Nähe sind, machen sich auf die Suche nach einem „Kind in Windeln gewickelt“. Mit diesem Navigationssystem hätten sie vor jedem Neugeborenen in Betlehem niederknien können. Aber das ist kein göttlicher Fehler, keine PR-Katastrophe, sondern volle Absicht. Jedes beliebige Men­schen­leben, so die Botschaft, ist nicht nur etwas wert, sondern hat etwas Göttliches. Gerade weil es nicht perfekt, nicht optimiert und aufs Ganze gesehen offensichtlich unbedeutend ist. Vor und für Gott ist es so relevant, dass er selbst so sein wollte.

Wie kann solches Leben mit Füßen getreten, bespuckt, ignoriert oder gar auslöscht werden? Es scheint tragisch, dass Gott sich schwach und verletzlich als einer von uns in eine Krippe gelegt hat. Damit verzichtet er darauf, die Welt mit Macht zum Frieden zu zwingen. Aber er zeigt uns den Weg zum Frieden: Der Blick in die Krippe macht es eigentlich unmöglich, unsere Mitmenschen (und uns selbst) zu entmenschlichen.

Jahrzehnte später wird das kleine Kind, erwachsen und berühmt geworden, bespuckt, blutverschmiert und zum Tode verurteilt, vor einem römischen Statthalter stehen. Und der wird mit gepflegtem Finger auf die gequälte Gestalt zeigen. „Seht, der Mensch!“ wird dieser Pilatus rufen und sich über seinen Witz halb totlachen. Aber sein unmenschlicher Scherz enthält göttliche Wahrheit. Vor Pilatus steht ein Mensch – der aber trotz seiner geschundenen Gestalt göttlich wertvoll ist. Spätestens hier hätte Pilatus zurücktreten müssen, abgesetzt von seiner versehentlichen Weisheit.

Uns allen eine gesegnete Weih­nacht und der ganzen Welt mehr göttliche Menschlichkeit wünscht Ihr und Euer

Manuel Kronast
Pastor

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