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Auf ein Wort

Abstand halten

Wenn ich hier nun mein Vor­haben für diese Zeilen preisgebe, habe ich es im Grunde schon verfehlt. Aber sei’s drum: Ich hatte mir vorgenommen, ein Vorwort ohne „Corona“ zu schreiben. Nicht, weil ich etwa davon ausginge, dass das Thema bis zum Erscheinungstermin keine Rolle mehr spielte. Auch nicht, weil ich das Thema etwa nicht ernst genug nähme. Nein, eigentlich mehr aus Prinzip. Weil ich schon seit Wochen in der Zeitung nichts anderes mehr lesen kann. In den Nachrichten nichts anderes höre. Im Supermarkt nicht mehr angesehen, sondern weitläufig umgangen werde.

Menschen benutzen nicht mehr gleichzeitig die Treppe. Sie wechseln die Straßenseite, wenn ihnen jemand entgegenkommt. So effektiv „social distancing“ in der Ver­tei­digung gegen das Virus ist, so schädlich ist es doch, wenn sich aus einem respektvollen Abstandhalten eine Kontaktphobie entwickelt, die kaum weniger ansteckend ist. Ich merke an mir selbst, wie ich gegen meine neu entwickelten Reflexe angehen muss: z. B. die Luft anzuhalten, wenn ich an anderen vorbeigehe oder kurzangebunden zu reagieren …

Für uns als Kirche ist der Kon­takt­verzicht besonders bitter. Lebt unser Glaube nicht gerade auch von Gemeinschaft? Jesus hatte selbst überhaupt keine Scheu vor Men­schen oder ihren Krankheiten. Er legte den Aussätzigen die Hände auf (ohne Handschuhe). Ging zu denen, die sonst keiner mehr besuchte. Ohne Ekel. Ohne Angst. Dafür mit Zuwendung, mit Liebe – er war den Menschen buchstäblich nah.

Die letzten Wochen haben uns da vor Herausforderungen gestellt: Aus Einsicht in die Notwendigkeit (und sicher auch aus Folgsamkeit) haben wir uns an das Gebot der Stunde gehalten. Wir haben auf Begegnungen, Nähe und Gemein­schaft verzichtet – und womöglich tun wir es noch immer.

Unser kreatives Bemühen, dennoch Nähe und Gemeinschaft auf alle denkbar anderen Arten und Weisen herzustellen, seien es Fernsehgottesdienste, Online-Andachten etc., zeigt aber doch, dass wir auf eben diese Ge­meinschaft miteinander, auf Nähe angewiesen bleiben. Angewiesen darauf, unser Leben miteinander zu teilen. Wir haben in der Distanz Nähe gesucht, die sich nicht in Händeschütteln oder Umarmungen, oft sogar ohne Blickkontakt ausdrückt.

Zum Glück gibt es für Zu­wendung und Liebe ja viele Sprachen: Sei es die gegenseitige Ermutigung mit Worten am Telefon oder auf Post­karten, finanzielle Hilfe oder ganz praktische Unter­stüt­zung, wie für andere einzukaufen. Und sicher nicht zuletzt: das Gebet füreinander. Und es bewegt mich sehr, wie der Glaube vieler Menschen in unserer Stadt ganz neu an die Oberfläche gedrungen und sichtbar geworden ist: Lieder auf dem Balkon, Kerzen im Fenster, Hausandachten, Gebete im Internet – das macht doch wirklich Mut.

Gerade sehne ich mich nach dem Ende dieser Krise und hoffe, dass von aller antrainierten Kontaktangst wirklich nichts übrigbleibt und wir uns schon bald wieder ganz ohne Zögern die Hand geben. Aber diese Dinge dürften meinetwegen gerne bleiben: Die Offenheit und Freiheit den eigenen Glauben zu zeigen. Die vielen Demonstrationen von Solidarität. Zu zeigen, dass man auch aus der Ferne aneinander denkt und füreinander betet – das wäre für mich ein echter Gewinn aus dieser Zeit!

Mit den Worten von Paulus an die Römer: „Freut euch in der Hoff­nung, haltet durch in schweren Zeiten, bleibt beständig im Gebet“, grüße ich Sie herzlich und freue mich auf baldiges Wiedersehen.

Johannes Rebsch


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