Auf ein Wort
„Manchmal kommt der Frieden auf leisen Sohlen“
Der Herbst ist eine erstaunliche Jahreszeit.
Kaum hat man sich daran gewöhnt, dass es morgens wieder dunkel ist, wird es abends auch noch früher dunkel. Die Blätter fallen von den Bäumen, der Wind pustet einem die Frisur durcheinander und irgendwo steht schon der erste Mensch mit einem Laubbläser.
Dabei frage ich mich manchmal: Warum lassen die Bäume das eigentlich so einfach geschehen? Sie halten ihre Blätter nicht fest. Sie sagen nicht: „Dieses Blatt gehört mir!“ Wenn die Zeit gekommen ist, lassen sie los.
Wir Menschen tun uns damit oft schwerer.
Wir halten fest an Dingen, die längst vorbei sind. An Sorgen. An Enttäuschungen. An alten Fehlern. Manchmal sogar an Schuld, die Gott uns längst vergeben hat.
Aber genau hier erinnert uns Martin Luther an eine wichtige Botschaft: Wir leben aus Gottes Gnade.
Wir müssen vor Gott nicht perfekt sein.
Wir müssen keine Punkte sammeln, um von Gott geliebt zu werden.
Gott liebt uns, weil wir seine Kinder sind.
Durch Jesus schenkt er uns Vergebung und einen neuen Anfang.
Das ist eigentlich eine ausgesprochen herbstliche Botschaft.
Denn der Herbst erinnert uns daran, dass wir nicht alles festhalten können. Unsere Kraft nicht. Unsere Gesundheit nicht. Unsere Pläne nicht. Und irgendwann auch unser Leben nicht.
Aber das Evangelium sagt: Du musst es auch gar nicht.
Du darfst loslassen.
Und während wir draußen beobachten, wie ein Blatt nach dem anderen zu Boden fällt, können wir uns daran erinnern: Auch im Fallen sind wir nicht aus Gottes Hand gefallen.
Vielleicht können wir in diesem Herbst etwas von den Bäumen lernen.
Sie lassen ihre Blätter los und vertrauen darauf, dass im nächsten Frühjahr neues Leben kommt.
Auch wir dürfen unsere Sorgen loslassen und sie Gott anvertrauen.
Und wenn wir es nicht schaffen, dürfen wir es morgen noch einmal versuchen.
Gott ist geduldig mit uns.
Vielleicht ist das die schönste Herbstbotschaft: Wir müssen nicht alles festhalten. Gott hält uns fest.
Amen.
Martyna Vollmar
Pastorin in der Kirchenregion West
