Auf ein Wort
Wie früh darf man Ostereier aufhängen?
Wie früh darf man seine Bäume und Hecken mit Ostereiern schmücken? Eine etwas komische Frage, ja, aber eine, die wir fast jedes Jahr aufs Neue zuhause diskutieren. Meine Argumente sind dabei eher formal: „Ostern ist noch eine Weile hin, noch ist Passionszeit.“ Die Argumente der Kinder sind emotional, bunt. Sie sind von der großen Vorfreude auf Ostern und der Lust am Schmücken bestimmt. Ich will diese Frage jetzt nicht hier entscheiden – das wäre ja ein Eigentor. Aber diese Vorfreude, die lässt mich nicht los: Denn die sollte in diesen Tagen groß und größer werden. Stattdessen erlebe ich aber zumindest bei uns Erwachsenen oft das Gegenteil. Vorfreude hängt eng mit Hoffnung zusammen; doch „Hoffnung“ ist für viele ein schweres Wort geworden, eine leere Hülle. Zu viel ist zu oft passiert, zu vieles ist unklar. Die Welt wirkt zerbrechlich. Leicht wird da die Hoffnung mit einem unangebrachten Optimismus verwechselt: Augen zu und durch, wird schon gut werden. Die Bibel versteht Hoffnung nicht so. Sie ist überraschend nüchtern: Hoffnung ist kein Gefühl, das plötzlich da ist. Auch fällt sie nicht einfach vom Himmel. Hoffnung wird eingeübt. Sie ist ein großes „Trotzdem“ gegen den Augenschein und gegen alle inneren Stimmen, die sagen: „Es bringt doch alles nichts“.
Paulus schreibt: Die Hoffnung aber geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt. (Röm 5,5)
Hoffnung hat einen Grund. Nicht in den Umständen, sondern darin, dass Gott treu ist. Sich nicht zurückzieht, wenn es schwer wird, sondern bleibt.
Vielleicht haben wir Erwachsenen verlernt, das im Alltag wahrzunehmen. Die Tage bis Ostern, die Passions- und Fastenzeit, laden ein, Hoffnung neu einzuüben. Ganz unspektakulär: Zum Beispiel, indem ich mich nicht nur von schlechten Nachrichten bestimmen lasse, sondern bewusst nach Zeichen des Lebens Ausschau halte. Indem ich das Gespräch suche statt den Rückzug.
Kinder können das oft besser als wir. Sie schmücken Zweige, obwohl es draußen noch kalt ist. Sie freuen sich, obwohl Ostern noch nicht da ist. Nicht, weil sie die Realität ausblenden – sondern weil sie ihr zutrauen, dass mehr kommt.
Vielleicht ist das die Einladung dieser Wochen: nicht vorschnell Ostern zu spielen, aber der Hoffnung Raum zu geben. Und ihr – wie einem geschmückten Zweig – schon jetzt einen Platz im Leben zu lassen.
Johannes Rebsch
Pastor
