Auf ein Wort

An ihn denke ich gerne zurück. Die Gartenpforte war angelehnt und ein bisschen verwittert.

Dahinter stand er, einen Fuß in einer Rabatte voller Stauden, der andere auf den Gehwegplatten. Mit einer Hand stützte er sich auf seinen Stock. Die andere hatte gerade die Deichsel eines vermutlich vor einigen Jahren selbst gebauten Handwägelchens losgelassen: Vier kleine Räder, darauf eine Platte montiert, darauf stand die Gießkanne.

Er war schon sehr alt. Ein bisschen gebeugt stand er da. Mit wachen Augen und sehr bei sich selbst, schaute er mich an. Ich kam ein paar Tage zu spät, in gewisser Weise kam ich unpassend, denn er hatte zu tun. Seiner Freundlichkeit tat das jedoch keinen Abbruch.

Er war wohl schon sehr alt. Um die Beine strich ihm ein nicht minder alter Kater - und bald auch mir. Zutraulich und ein bisschen neugierig wollte mir das Tier scheinen.

Die Sonne wärmte die müden Knochen.

Unsere Begegnung dauerte nur kurz, aber ein paar Tage lang hat sie mein Herz erfreut. So würde ich auch gerne alt, denke ich, immer wenn ich diese sommerliche Szene erinnere.

Jetzt geht es auf Ostern zu. Ob das Ganze etwas mit Religion zu tun hat? Das war mir in den paar Minuten damals völlig egal. Jetzt natürlich nicht mehr, denn ich schreibe ja darüber im Gemeindeblatt und brauche einen Schluss.

Wie wäre es damit? Ich habe vielleicht in der Gebrechlichkeit des Alters ein Stückchen Paradies gesehen ... Und dazu ist mir die Frage des frommen Liederdichters in den Sinn gekommen: „Welch’ hohe Lust, welch heller Schein wird wohl in Christi Garten sein?“ (Paul Gerhardt, EG 503,10).

Der alte Mann ist inzwischen verstorben.

Im April feiern wir Ostern.

Wenn’s nicht zu dreist gewünscht sein sollte und der Liedtext zu sehr beim Wort genommen: In Christi Garten würde ich ihm gerne noch einmal begegnen, mit Kater.

Stefan Krause