Auf ein Wort

Vater unser im Himmel…

Ich bin mir sicher, jede und jeder von Ihnen kann dieses Gebet weitersprechen. In jedem Gottesdienst sprechen wir das Vaterunser gemeinsam. Nun sollten auch die neuen Konfirmanden und Konfirmandinnen in Badenstedt dieses Gebet kennenlernen.

Konfirmandenunterricht … für mich eine neue Erfahrung. Wie bringe ich also den Jugendlichen dieses für uns so wichtige Gebet nah?

Ich erinnerte mich an einen Vaterunser-Dialog, den ich vor langer Zeit in einer Jugendgruppe kennen gelernt hatte. In diesem Dialog beginnt ein Mensch das Vaterunser zu beten … und Gott antwortet.

Der Betende ist erst einmal verwirrt, lässt sich aber auf das Gespräch mit Gott ein. Aus einem kurzen Gebet wird ein langes Gespräch.

Gott stellt dem Betenden viele Fragen: „Meinst du das wirklich ernst, dass du meinen Namen heiligen willst? Was bedeutet heilig eigentlich für dich? Wie meinst du, sieht es aus, wenn mein Reich kommt und mein Wille geschieht?“

Der Betende wirkt am Anfang des Gesprächs leicht genervt. Er will doch nur kurz das Vaterunser beten und jetzt soll er über so schwierige Fragen nachdenken.

Wen meinen wir, wenn wir beten: „Unser täglich Brot gib und heute“? Und was tun wir dafür, dass wirklich alle Menschen satt werden.
Meinen wir es wirklich ernst, wenn wir darum bitten, dass wir den Menschen, die uns gegenüber schuldig geworden sind, verzeihen wollen? Können wir das überhaupt?

Wo lauern in unserem Alltag Versuchungen? Und können wir ihnen widerstehen?

All diese Fragen stellt Gott dem Betenden und dieser bemerkt, dass dieses Vaterunser wirklich das schwierigste Vaterunser ist, das er je gebetet hat. Aber, er merkt auch, dass es zum ersten Mal etwas mit seinem Leben zu tun hat.

Ich wünsche mir sehr, dass die Jugendlichen in unserem Konfirmandenunterricht die gleiche Erfahrung machen. Das Vaterunser ist nicht nur ein Gebet, das „man“ auswendig lernen muss, weil wir es nun mal in jedem Gottesdienst gemeinsam sprechen. Das Vaterunser hat mit meinem Leben zu tun. Es fordert mich auf, mir Gedanken zu machen und die Worte, die ich bete, auch so zu meinen.

Vielleicht denken Sie im nächsten Gottesdienst, wenn Sie gemeinsam mit der Gemeinde das Vaterunser beten, ja auch mal an die Fragen, die dem Betenden im Vaterunser-Dialog gestellt wurden.

Liebe Grüße
Diakonin Kerstin Schmidt