Zu Besuch in Sachsen ...

„Gott sei Dank“!

Abweichend von langjähriger Gepflogenheit trafen wir uns in diesem Jahr mit unseren Partnern der Auferstehungsgemeinde Dresden-Plauen und der Tschechisch-Hussitischen Gemeinde aus Trutnov über das letzte September-Wochenende in Dresden. Wir waren eingeladen, dort schon am 29. September Erntedank und das anschließende Gemeindefest mitzufeiern.

Ein Gottesdienst unter dem Titel „Gott sei Dank“ eröffnete das Fest. Beeindruckend, muss ich feststellen, was dort alles aufgeboten war - verglichen mit unseren Möglichkeiten! Ist es doch eine Gemeinde mit vergleichbarer Mitgliederzahl, allerdings zur Zt. noch etwas besserer Personalausstattung im gemeindepädagogischen und hauswirtschaftlichen Bereich, die neben dem Pfarramt natürlich als Rückgrat für vielseitiges ehrenamtliches Engagement gelten kann.

Aber langsam, ich bin mit diesem Einstieg schon am Ende unserer Reise, die eine Vielzahl neuer Eindrücke und Begegnungen mit sich brachte. Wir aus Hannover waren ein relativ kleiner Kreis, der sich Freitagmittag auf die Reise nach Dresden mit Bahn oder Auto gemacht hat. Zwei von uns waren schon am Donnerstag losgefahren, um etwas mehr Zeit mit den langjährig vertrauten Freunden in der Familie zu verbringen, ehe das wie immer straff durchorganisierte Programm im Gemeindehaus am Abend startete. Der Austausch über Neues in und aus den Gemeinden, brachte wieder einige Überraschungen, mit deren Einzelaspekten wir uns in nächster Zeit im KV wohl auch noch auseinandersetzen müssen. Die Dresdner sehen mit großer Sorge auf die Umsetzung einer von ihrer Synode verordneten „Strukturreform“, die eine zwingende Zusammenarbeit/Zusammenlegung mehrerer Gemeinden nach bestimmten Vorgaben vorzusehen scheint. Für uns weniger bedrohlich, da wir Personalabbau seit vielen Jahren mit wenig Begeisterung erleben mussten, zeitgleich jedoch gute Erfahrungen mit dem seit 2002 auf freiwilliger Basis geschlossenen Kooperationsvertrag in der Kirchenregion Ahlem-Badenstedt-Davenstedt-Velber machen konnten. Aber zur Vertiefung fehlte die Zeit, um uns mit genaueren Einzelkenntnissen eine realistische Einschätzung zu ermöglichen. Ich denke, wir werden noch davon hören.

Da die Landtagswahlen in Sachsen erst sehr kurze Zeit zurücklagen, spielte natürlich auch die Frage der politischen Perspektiven und deren Auswirkung auf das Gemeindeleben eine Rolle, ebenso wie die Entwicklung bei den Staatsorganen in der Tschechischen Republik. Tatsächliche große Sorgen haben allerdings unsere Freunde aus der Gemeinde in Trutnov vorgetragen. Es ging dabei weniger um die bei uns ebenfalls zu bemerkende Säkularisierung der Gesellschaft (dortige Volkszählung 2011 = ca. 10% der Bevölkerung religiös gebunden, davon entfallen auf protestantische Gemeinden und Gruppierungen ca.0,9%), als um sehr konkrete Finanzprobleme. Sind wir noch 2014 nach dem Restitutionsbericht davon ausgegangen, dass diese der Vergangenheit angehörten, mussten wir in diesem Jahr zur Kenntnis nehmen, dass die damit verbundene angekündigte Abschmelzung der staatlichen Pfarrbesoldung in den Hussitischen Gemeinden keineswegs durch ihre übergeordneten Strukturen aufgefangen werden. Das führt inzwischen dazu, dass die Pastoren von den Gemeinden nicht ausreichend bezahlt werden können und diese mit weltlichen Berufen für ihren Lebensunterhalt sorgen müssen, demnach das umfangreiche Pfarramt also mehr oder weniger ehrenamtlich auszuführen ist.

Das Kulturprogramm brachte uns nach Bautzen, einer Stadt, die bei uns „Westlern“ im Wesentlichen durch das „gelbe Elend“, das Zuchthaus für politisch Unliebsame der DDR, im Bewusstsein ist. Wem das von den Lesenden ebenso geht, sei aufgefordert, bei Gelegenheit zu reisen und die „Hauptstadt der Sorben“ in ihrer wieder hergestellten alten Schönheit zu besuchen.

Wunderbar gelegen an der Spree, bietet sie neben den spezifischen Museen, vielseitige Zeugnisse des ehemaligen und jetzigen kulturellen Lebens. Hier findet sich auch auf der höchsten Stelle mit dem Dom St. Petri die älteste und größte Simultankirche Deutsch­lands (1213-1221), eine der wenigen alten Kirchen mit einer protestantischen und einer katholischen Hälfte, über Jahrhunderte strikt getrennt durch hohe eiserne Gitter, nur erreichbar durch zwei verschiedene Eingänge nebeneinander, inzwischen ein Sinnbild gelebter Ökumene. Türme, Ausblicke, wunderbare Kneipen, Gasthäuser und, und, und ... kurz, auch Bautzen ist eine Reise wert!

Unser nächstes Treffen soll der Mehrheit nach anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Tschechisch-Hussitischen Kirche in 2020 am Wochenende nach Pfingsten stattfinden, was mit einer Festveranstaltung in Dresden kollidieren würde. Sobald der neue Termin fest steht, melden wir uns mit einer Einladung….

Bis dahin alle guten Wünsche - Ihre Christa Elsner-Solar

Impressionen