Modellbahn in der Kirche - ein Experiment?

Liebe Kirchengemeinde der Martin-Luther-Kirche, wir, die Freizeitgruppe Modelleisenbahn der Stiftungsfamilie BSW & EWH (Bahnsozialwerk & Eisenbahnerwaisenhort) durften in Ihrer Kirche als Gast unsere Modelleisenbahnanlagen aufbauen und Ihnen und vielen anderen Interessierten vorführen.

Dabei durften wir dann feststellen, dass alle Besucher doch sehr viel Spaß an der Welt in klein, in kleinen Maßstäben, hatten und uns gegenüber auch zum Ausdruck gebracht haben. Diese vielen positiven Rückmeldungen haben unsere eigene Freude am Betreiben der von uns in vielen Jahren gestalteten und gebauten Anlagenmodule natürlich entsprechend gesteigert. Viele Besucher, die zum Beispiel schon mal im Harz die Harzer Schmalspurbahnen gesehen und benutzt haben, erkannten doch immer wieder das eine oder andere Detail der dem Original sehr stark nachempfundenen Selketalbahn - aus immerhin 31 Modulen zusammengesetzt - und freuten sich an dem regen Zugbetrieb auf der eingleisigen Strecke. Aber genauso die im Maßstab 1:160 gestaltete N-Anlage mit ihren, den schönen norddeutschen, aber auch alpinen Regionen nachgebildeten Landschaften, die in dieser Modulzusammensetzung und Größe erstmalig in dem Kirchenschiff aufgebaut war, erfreuten die Besucherin, den Besucher, egal, ob noch Kind oder schon erwachsen. Auch hier die vielen Züge verschiedenster Zusammensetzung, das Rangieren im Ladestraßenbereich, die vielen kleinen Details ergaben immer neue Betrachtungsmomente. Wer hat nicht die Bergsteiger gesehen, die den Gipfel mit dem darauf stehenden Kreuz erklimmen, den Bären Bruno im Gebirge, die Gleisbauarbeiter, die am Rande der Gleise ihre Arbeit verrichten oder darauf warten, in das Gleis zu kommen, den Bus, der mit blinkenden Lichtern um die Kurve fährt, die Wanderer, die auf den Wegen gehen oder auf den Baumstämmen rasten, die kleinen Laubenpieper, die ihre Gärten beackern, die Lokomotiven, die in den Betriebshöfen auf ihren Einsatz warten, die Gleise, die unendlich scheinen durch die Wendeschleifen und den Zügen ihre Fahrt ermöglichen.

Und damit kommen wir auch zu einem weiteren, wichtigen Teil der gesamten Ausstellung, dem gemeinschaftlichen Gottesdienst. Mit einer sehr persönlichen Predigt von Pastor Stefan Krause und einem Täufling, der vielleicht einmal auch dieses schöne Hobby ausübt als Mensch und guter Christ, sowie einer Gemeinde, von der viele auch den Blick auf unsere Modellbahnanlagen wagten und sich erfreuten. Die Gleise, die dem Betrachter scheinbar unendlich sind von seinem Standpunkt, die vielen Stationen, wie im richtigen Leben, mit Höhen und Tiefen, auch mit der Endlichkeit, wenn ein Stumpfgleis mit seinem Prellbock erreicht wird und der Zug, die Lokomotive nicht mehr weiter fährt. Und dem Herrn, der alles lenkt und uns beschützt, so wie wir Modellbahner natürlich unsere Züge sicher fahren und Schaden für die kleinen Menschen auf der Anlage vermeiden.

Warum nun die Frage: „Modellbahn in der Kirche – ein Experiment?“ Weil es doch für den einen oder anderen Kirchgänger ungewohnt, auch überraschend ist, die kleine Welt als Modell in der Kirche vorzufinden. Aber Pastor Krause beschrieb in seiner Predigt die vielen Krippen, die zu Weihnachten, in manchen Kirchen aber auch das ganze Jahr in verschiedenen Maßstäben uns das Wunder der Geburt eines Kindes zeigen. Somit nichts Außergewöhnliches in der Kirche. Und der Landesbischof Meister hat es auch beschrieben mit den Worten: „Die Kirche muss neue Wege gehen, um Menschen zu erreichen“. Hier haben der Kirchenvorstand, der Pastor, alle Beteiligten einen solchen Weg beschritten und ich als Verfasser dieser Zeilen glaube, dass das einer von vielen Wegen ist, Menschen wieder in die Kirchengebäude zu bringen und den Einen oder Anderen sich daran zu erinnern, dass das Leben nicht nur aus Party und Geldverdienen besteht, sondern Menschen auch andere Dinge im Leben brauchen.

Wir Modelleisenbahner wollen uns an dieser Stelle noch einmal bei der Martin-Luther-Kirchengemeinde bedanken, ihr Gast gewesen sein zu dürfen und vielleicht haben wir wieder mal Gelegenheit, Sie beim Beschreiten neuer Wege zu begleiten. Dank aber auch an das Café Faire Bohne, das unsere Aktivität begleitet hat und uns bei der Einladung behilflich war, voran mit meinem Freund Jürgen Lehmann. Dank an Christian Spengler, der uns bei der Erstellung der Werbung sehr behilflich war. Und Dank an Pastor Stefan Krause, der uns so gut aufgenommen und begleitet hat.

Danke für 5 schöne Tage in der Martin-Luther-Kirche

Für alle Mitglieder der Freizeitgruppe Modelleisenbahn BSW MEC Hannover
Richard Bohne